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radioglobalistic präsentiert: BIBI AHMED & GROUP INERANE – psycedelic Sahara Rock / electrified Tamachek Folk from Agadez/Niger – live am Sonntag, dem 15.9. in der Markthalle Plagwitz (bei Egenberger Lebensmittel)

Posted in Konzert with tags , , , , , , , , , , , , , , on 24. Juli 2019 by radioglobalistic

Bibi Ahmed Poster

Vor acht Jahren, im November 2011, bin ich zufällig auf einem, vom damals ziemlich umtriebigen Schubladenkonsortium veranstalteten, Konzert in der naTo gelandet. An diesem Abend trat die Group Inerane aus dem Niger auf und es war mein erstes Live-Erlebnis mit einer Band, die unter dem schon damals nicht so recht passenden Label Wüsten-Blues eingeordnet wurde. Rückblickend kann ich sagen: Es war das beste elektrifizierte Tamachek-Folk Konzert, dass ich bisher gesehen habe. Der Schlagzeuger schien nur einen Rhythmus zu kennen, mit dem er die ZuhörerInnen immer weiter in einen trance-artigen Zustand versetzte. Gleichzeitig ließ er den drei Gitarristen damit den Raum, ihre Akkorde und Harmonien zu einem immer dichteren Klangteppich zu verweben. Und die dazu interpretierten Call-and-responce-Gesänge machten es fast unmöglich sich dem Sog dieser Musik zu entziehen.

Jetzt kommt die Band, mittlerweile in Bibi Ahmed & Group Inerane umbenannt, zurück nach Leipzig. Lange Zeit war nur sporadisch etwas von Bibi Ahmed und seiner Band zu hören, bis sich Ende letzten Jahres das, eigentlich im Punk-Genre beheimatete, Hamburger Label Sounds of Subterrania um einen Kontakt bemühte. Im Februar diesen Jahres nahm Bibi Ahmed dann in Frankfurt sein erstes Soloalbum auf, wobei er alle Instrumente an zwei Tagen selbst einspielte. Die neun Titel versprühen eine feierliche Athmosphäre und eröffnen zugleich eine neue Sichtweise auf die heutige Tamachek-Musik, in der die Unterschiede zwischen spirituellem Trance und hypnotisch, psychedelischen Blues immer undeutlicher werden. Ein neues Album der ganzen Band wird am Ende der kommenden Tour aufgenommen und erscheint Anfang 2020.

Die Themen, die Group Inerane in ihren Texten behandeln sind höchst aktuell. Es sind Geschichte von Vertreibung, Flucht und Exil. Hier kommen die eigenen Erfahrungen der Marginalisierung und Unterdrückung zum Ausdruck, die damit begann als die europäischen Kolonisatoren willkürliche Grenzen zogen. Sie erzählen Geschichte aus einem Blickwinkel, der uns unbekannt ist. Z. Bsp. das vor dem Tod im Mittelmeer, ein Tod in der Wüste und ein Tod in den Bergen wartet. Das auf der Welt Sprachen existieren, für die es keine Schrift gibt und das Worte in dieser Sprache sehr, sehr viele Bedeutungen haben können oder dass Wege sich ständig verändern, da sich durch die Winde die Massen an Sand auch ständig verschieben.

All das zusammen macht die Musik von Bibi Ahmed & Group Inerane instinktiv universalistisch

Vor dem Konzert, bereits um 17 Uhr, gibt es die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Bibi Ahmed. Ihr seid eingeladen ihm Fragen zu stellen. Z Bsp. wenn ihr etwas über die Situation der Tuareg im Niger erfahren wollt, wenn ihr mehr über seine Musik erfahren wollt, …
Nach einer Pause beginnt das Konzert von Bibi Ahmed & Group Inerane dann um 19 Uhr.

Die Veranstaltung findet in der Markthalle Plagwitz (bei Egenberger Lebensmittel), in der Markranstädterstrasse 8, Leipzig-Plagwitz statt.

Hier zwei Livevideos von der aktuellen Tour, aufgenommen in Aalborg Dänemark.

radioglobalistic präsentiert: ZEA – alternative Blues, Breakpop, electric Lo-Fi Grime aus Amsterdam – live am Sonntag, dem 23.6.2019 bei Egenberger Lebensmittel

Posted in Konzert with tags , , , , , , , on 12. Juni 2019 by radioglobalistic

 

ZEA POSTER

 

Wenn er nicht gerade mit den niederländischen Experimental/Postpunkveteranen The Ex unterwegs ist, reist Arnold de Boer als ZEA durch die Gegend. Zwischen Breakbeats, Elektronik, Gabber und afrikanischen Rhythmen spannt er seinen musikalischen Bogen, wild, schräg und mitreissend.

Über 1.500 Konzerte rund um die Welt haben Zea bisher gespielt, die seit 2008 nur noch einer sind, und dessen interkontinentales Schaffen als Sänger und Gitarrist von The Ex ist da noch gar nicht mitgezählt. Seit einigen Jahren betreibt Arnold de Boer das eigene Label Makkum Reords und hat seinen Radius mittlerweile bis Westafrika erweitert. Er tourt regelmäßig mit King Ayisoba in Ghana und ist durch eine mittlerweile ganzen Reihe von Veröffentlichungen mit MusikerInnen des Landes  zu einem internationalen Botschafter ghanaischer Counter Culture geworden ist.

Offen für Einflüsse war sein hemdsärmelig-unbekümmertes, nicht eigentlich naives Songwriting mit scheppernder Gitarre in der Tat von je her. Im Kern eine Art erwachsen gewordener Fun-Punk, treffen in seiner Musik afrikanische Pickings, Chip’n’Roll, Flipper-Amigacore, Fuzz-Dub- und Ethno-Funk-Experimente auf ein Fundament ursprünglichen Indierocks.

Jetzt kommt Arnold mit neuen Stücken nach Leipzig und die ersten beiden Titel, die er gerade veröffentlicht hat, enthalten, was die Texte betrifft, wieder zuckersüße Polemiken.

Wenn es um die Vermüllung der Meere, die Zerstörung der Artenvielfalt und den Raubbau an den Ressourcen unseres Planeten geht, ist der Mensch unter den Lebensformen bekanntlich Spitzenreiter. Man hat es oft gehört, und während die simple Feststellung aus dem Mund von Politikern oder der Feder von Journalisten redundant wirkt, macht sie sich in polemischen Biss verpackt immer wieder gut. Mit dezent rumpelnden Pappschachteltakten im Hintergrund, frohsinnig-folkigem Gitarrenspiel a la John Renbourn und ebenso fidelem Gesang spielt de Boer in “Agency”, dessen Titel wohl im Sinne von Agenda gemeint ist, Szenarien wie die weltrettende Vernichtung der Menschheit, ein Parlament der Tiere und Pflanzen und vieles mehr durch, und alles wirkt wie eine spontane humorige Schimpftirade, die man nicht anders als mit “so ist’s” quittieren kann. “I am not defending nature, I am nature defending itself”, schleudert er dem Status Quo des Anthropozän entgegen, und wem das noch nicht kämpferisch genug ist, der sollte sich auf jeden Fall auf sein Konzert begeben.

Hier sind noch zwei weitere Tracks, die das musikalische Spektrum, welches ZEA abdeckt, ziemlich gut abbilden. Das Konzert mit ZEA findet in der Markthalle Plagwitz, bei Egenberger Lebensmittel in der Markranstädterstrasse 8, Leipzig-Plagwitz, statt. Einlaß ist um 18h. Das Konzert beginnt pünktlich um 19.00h. Wer seine Kinder mitbringen möchte: Kein Problem. Es gibt einige Spiele vor Ort, falls doch Langeweile aufkommt.